Ein Lymphom-Blog

Manchmal geht es schnell

Ja, genau so war es dann auch. Es ging schnell.

Ende 2023 hatten sich geschwollene Lymphknoten im Halsbereich sichtbar bemerkbar gemacht. Und zwar in einer Form dass mich Menschen in meinem engsten Familienumfeld direkt darauf ansprachen. Nach einer kurzen Recherche im Internet habe ich es als Reaktion auf ein neues Tattoo abgetan. Grundsätzlich war der Blick ins Internet keine wirklich gut Idee. Es öffnet sich eine Büchse der Pandora, die einen immer tiefer in ihren Bann zieht. Zu einem Zeitpunkt habe ich entschieder: es reicht!

Es trat keine Besserung ein. Anfang Januar habe ich meine Hausärztin aufgesucht und mit den üblichen Anmerkungen zu Ernährung, Sport und Gewichtsabnahme gerechnet. Dem war aber nicht so. Sie hat eine Sympthome-Liste abgefragt, die ich durchgängig verneinen konnte. Somit war nicht herauszubekommen, was der Auslöser für das Anschwellen mehrerer Lymphknoten sein konnte. Nach telefonischer Rücksprache hatte ich einen Termin bei einer Onkologischen und Hämatologischen Fachpraxis in der Folgewoche.

Meine Begegnungen mit Ärzten in meinem Leben waren nicht immer vertrauensvolle Begegnungen. Gerade bei Zahnärzten ist für mich immer die Kategorie „Zahnarzt des gringsten Mißtrauens“ präsent. In der Fachpraxis habe ich ungemeines Glück. Der Arzt und ich verstehen uns sehr gut und teile die gleiche Art von schwarzem Humor. Und gerade der Humor ist es, der mich trägt.

Eine erste Ultraschalluntersuchung zeigte, dass nicht nur die Lymphknoten im Hals- und Schulterbereich vergrößert waren, sondern auch im Bauchbereich. Dies ließ den Arzt ernste Töne anschlagen. Es gab keinen Grund, um den heißen Brei herumzureden. Aber eine äußere Beobachtung ist nur die halbe Miete. Anstatt einer kleinen Biopsie, haben wir uns dazu entschieden, einen Lymphknoten operativ zu entfernen und ihn histologisch zu untersuchen. Diese Art der Bestimmung ist präziser, da man bei einer Biopsie Glück oder Pech haben kann, je nach getroffenem Gewebestück.

Die Entnahme des Lymphknotens am Hals wäre zwar mit lokalen Betäubung möglich gewesen. Nun bin ich nicht der Mensch, der bei einer OP alles um sich herum mitbekommen muss, wenn an mir herumgeschnitten wird. Das ist ein Erfahrungswert aus der Vergangenheit. Zusätzlich zur Entnahme eines vergrößerten Lymphknoten durfte ich zu meinem ersten Computertomographie. Einen Termin für ein CT zu finden ist alles andere als trival. Und das selbst in einer Stadt wie Berlin.

Das CT selbst war eine ganz neue Erfahrung. Ohne die Praxis beim Namen zu nennen, kann ich nur sagen, dass es kein schönes Erlebnis war. Die Durchführung CTs scheint ein Geschäftsfeld zu sein, wo es auf Durchsatz ankommt. Ich hatte das Gefühl in einer großindustriellen Maschinerie gelandet zu sein. Das Tomographie-Personal beschränkte sich auf rudimentäre Kommunikation. Es gab keinerlei Informationen, was nun alles mit einem passiert, insbesondere beim Setzen des Zuganges für das Kontrasmittel. Man tauschte sich nur untereinander aus, weil es nicht sofort beim ersten Mal geklappt hat. Dass der Patient anwesen war, war schlichtweg egal. Für das nächste CT suche ich mir eine andere Praxis.

Der histologische und der CT-Befund ließen keine Fragen offen.

Es ist ein Non-Hodgkin-Lymphon in einem frühen Stadium.

Und so begann meine Reise in die Welt einer Chemotherapie-Behandlung schneller als ich gucken konnte. Das Lymphon lässt sich nur zurückdrängen, es wird nie ganz verschwinden. Für mich ist es ein Umgang mit dieser Krebsform und kein Kampf dagegen.

Ich bin froh, dass ich in einer Praxis gelandet bin, wo ich mich gut aufgehoben und behandelt fühle. Der Umgang mit mir als Patienten ist so rücksichtsvoll und doch sachlich und humorgeladen. Das schätze ich sehr.

Das persönliche engste Umfeld tut ihr Bestes, um mich auf diesem Weg zu unterstützen. Dies ist so immens wichtig, wie die zukünftigen EInträge sicher zeigen werden. Man kann und sollte mit einer Krebsdiagnose und einer Chemotherapie nicht alleine umgehen müssen.

Mal sehen, wie die Reise weitergeht.
Es ist noch immer alles gut gegangen.



Mein Rat

Gerade Männer tendieren dazu, Signale des Körpers nicht zu ernst zu nehmen. Gerade dann, wenn wir in einer Zeit aufgewachsen sind, in der das Motto „Indianer kennen keinen Schmerz“ unser Leben bestimmt hat und vielleicht auch noch bis heute tut.

Geh zum Arzt, wenn etwas nicht stimmt.
Geh zum Arzt, wenn anderen Menschen in deinem Umfeld etwas auffällt und sie dich darauf hinweisen.