Nach der Rückkehr aus Seattle stand die vierte Woche ganz im Zeichen einer neuen OP und der zweiten Chemotherapie.
Die acht Stunden Zeitverschiebung zwischen Deutschland und und der Westküste der USA schlauchten in dieser Woche interessanterweise weniger als früher. Der Grund dafür ist mir nicht klar. Ich freue mich einfach, dass es so ist.
Ich kann nicht sagen, dass ich irgendeine Angst vor der erneuten Vollnarkose gespürt hätte. Was meinen Kopf eher umtrieb war der Gedanke, dass es in den letzten Wochen eine statistische Häufung an Voll- und örtlichen Narkosen gab. Die letzte richtige Vollnarkose, für die Behandluch eines Leistenbruches, liegt Jahrzehnte zurück. Die kleine Aktionen beim Zahnarzt zählen nicht mit.
Die neuerliche Vollnarkose diente dem Setzen eines Ports. Dies ist ein Katheter, der einen einfachen Zugang zur Vene ermöglicht, um sowohl Blut abzunehmen, aber auch um flüssige Medikamente zuzuführen. Hierdurch wird ein Neulegen eines Zuganges, z.B. in die Armvene, überflüssig. Der Zugang des Ports liegt im Bereich des Schlüsselbeins knapp unter der Haut. In meinem Fall hat sich der operierende Arzt eine kleine Variation überlegt und den Zugang in die Halsvene gelegt. Das stört die Funktion des Ports nicht. Wenn man sich mit seinem Operateur gut versteht, ist das schon so einen komische Sache. Es war diesmal der gleiche Arzt, der auch den Lymphknoten entfernt hat. Ich fühle mich in der ambulanten Chirurgie bestens aufgehoben. Was für mich auch ein Grund dafür ist, mir keine Sorgen machen zu müssen.
Am nächsten Tag konnte der Port direkt zeigen, was in ihm steckt. Die Chemotherapie über den Port zu erhalten ist eine absolute Erleichterung für mich. Einen Arm vier Stunden gestreckt zu halten ist kein Spaß. Außerdem hat man mit dem Port Arme und Hände frei und kann entspannt ein wenig arbeiten und an Meetings teilnehmen. So ein Port ist keine Freibrief, er kann auch mal verstopfen. Dann bekommt man die Chemo wieder über den klassischen Zugang.
Ein große Überraschung war es, als das Therapieteam den Patienten eine kleine Geschenktüte überreichte. Diese enthielt kleine praktische Helfer und Informationen über Eisvogel e.V., einem Verein, der von einer Betroffenen mit Lymphknotenkrebs, gegründet wurde. Hier werde ich in den nächsten Woche mehr zu recherhieren und euch auf dem Laufenden halten. Bis dahin könnt ihr gerne schon selbst einmal auf der Webseite des Vereins stöbern: https://www.eisvogel.life.
Auch Tage nach der zweiten Chemotherapie kann ich sagen, dass ich die Medikamente gut vertrage. Allerdings hat sich mein Körper inzwischen dazu entschieden, das Haupt- und Barthaare zu verlieren. Das bereit mir nun keine Sorgen oder schlechte Gefühle. Da mein Haarschnitt im Normalfall eh bei 3mm liegt, machen die letzten drei Millimeter nun auch keinen großen Unterschied mehr. Und beim Bart spare ich mir nun erst einmal das Rasieren.
Und wie sich zeigt, bin ich mit der Krebserkrankung in royaler Begleitung.
Stay positive.




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