Und so neigt sich ein Jahr dem Ende zu, das sich ganz überraschend selbst zu einem besonderen Jahr in meinem Leben deklariert hat.
Die Entdeckung des Lymphoms und die damit einhergegangenen Veränderungen, ausgelöst durch die Medikamente, schwingen immer noch nach. Persönlich rechne ich erst Mitte nächsten Jahres mit einem Überwinden des Zustandes. Neben den rein körperlichen Herausforderungen haben sich auch mentale Herausforderungen in den Vordergrund gedrängt. Ursächlich sind sie keine direkte Folge des Lymphoms, jedoch haben die ersten sechs Monate dazu geführt, dass sie ihren Weg aus dem emotionalen Keller ans Licht gewagt haben. Manche Dinge halten gefühlt noch auf den letzten Stufen der Kellertreppe inne, bevor sie wirklich bereit sind, durch die Tür zu treten.
Imposter war das erste Stichwort, mit dem mir das Universum auf ganz unterschiedlichen Wegen sagen wollte, genauer auf mich selbst zu schauen. Ich bin immer noch damit beschäftigt, mich mit dem Imposter-Syndrom auseinanderzusetzen, zu lernen und zu erkennen, wie groß die Deckungsgleichkeit in mir ist. Schwierig ist es, einen Lösungsweg zu finden und ihn zu beschreiten. Hier weiß ich inzwischen, dass dies nur mit externer Hilfe geht.
Es gibt einen schleichenden Trend, vor dem ich mich schon im Sommer gefürchtet habe. Die Arbeit greift wieder mehr und mehr um sich. Eigentlich sollte ich „Zeit“ statt „Arbeit“ sagen, dass trifft es besser. Es ist der schleichende Effekt, wieder in bekannte Muster zu verfallen, die man eigentlich meiden wollte. Vorsatz und Realität gehen manchmal nicht so Hand in Hand, wie ich es gerne hätte. Hier muss ich achtsamer werden.
Etwas, was mir immer öfter gut gelingt, ist von mir nicht im Neutrum zu sprechen, sondern als Ich, als Person. Dies ist ein wichtiger Schritt, der schwer und auch schmerzhaft ist. Immerhin habe ich inzwischen ein Mechanismus etabliert, der einen warnt, bevor ich etwas „falsch“ ausspreche. Mir hilft es, erst in mich hineinzufühlen, bevor Worte den Mund verlassen sollen.
Zum Jahresende erweitere ich nun das Ärzte-Konglomerat um das Thema Neurologie. Nach dem Ende der Chemotherapie setzte eine Taubheit im rechten Fuß ein, die sich mit unterschiedlicher Intensität meldet. In Kombination mit dem letzten Gichtereignis (wir erinnern uns) ist jetzt die Zeit, dem Ganzen auf die Schliche zu kommen. Es ist unklar, ob die abgenuptzte Nervenbahn für den Fußheber des rechten Beins auch eine Rolle spielt. Die MRT-Bilder waren ein optischer Genuss. Zumindest was die Bildqualität anging. Ich erspare euch die detaillierte Beschreibung der Situation. Mein Orthopäde war auf jeden Fall sichtbar begeistert. Wir warten nun erst einmal den neurologischen Befund ab, bevor irgendwelche invasiven Maßnahmen durchgeführt werden.
Die Lymphom-Reise geht weiter. Auch im nächsten Jahr. Anfang Januar steht das erste Kontrollgespräch bei meinem Onkologen an. Wie doch die Zeit vergeht.
Achtet auf euch.
Wir sehen uns.




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