Eigentlich, welch wundervolles Wort, hätte ich inzwischen einen ersten Termin in einer Neurologischen Praxis haben sollen, um das Taubheitsgefühl im rechten Fuß untersuchen zu lassen. Nun, dies wird erst Ende Mai oder Anfang Juni passieren. Und dies auch nur, weil ich einen Termin auf Basis einer Hausarztüberweisung nutze. Das ist vergleichbar mit einem Fast-Pass in einem Vergnügungspark deiner Wahl. Anstatt in vier bis sechs Monaten hast du einen Termin in vier Wochen. Es ist schon seltsam, welche Blüten die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens so treibt.
Ich habe den Letzten Besuch in den USA genutzt, um mir einen Wunsch zu erfüllen. Nach all dem Erlebten im letzten Jahr war Zeit für einen neues Tattoo. Mir war wichtig, dass es ein für mich besonderes Tattoo wird. Ein Tattoo-Studio und einen Tattoo-Künstler zu finden, der ein Native Amercian Tattoo sticht war nicht einfach. Aber ich hatte Glück. Mit Chad Ronilo bei Hidden Hand Tattoo in Seattle habe ich jemanden gefunden, der meine Wünsche und auch meine Beweggründe bestens verstanden und umgesetzt hat. Seine Adaption meines Entwurfs ist einfach bestens gelungen. Aber seht selbst.

Seit Herbst des letzten Jahres nehme ich eine Therapie wahr, um die Krebserkrankung emotional zu verarbeiten und mich selbst mit mir besser zu verstehen. Es braucht jemand Dritten, der einen unvoreingenommenen Blick auf einen hat und die richtigen Fragen stellt. Für mich ist dies besonders wichtig, da nach und nach für mich klarer wird, warum ich bin wie ich bin. Ich habe in den letzten sieben Monaten schon so viel über mich selbst gelernt. Ich bin selbst überrascht, wie auch Remote-Termine per Online-Meeting funktionieren. Zuerst hatte ich Bedenken, dass eine digitale Barriere zwischen mir und dem Therapeuten stehen würde. Aber dies ist gar nicht der Fall. Es ist schlichtweg nur anders. Ich muss nur dafür sorgen, den Remote-Terminen ausreichend Raum im Kalender einzuräumen. Ohne die entsprechende Zeit vor einem Termin und einem Blocker nach dem Termin, ist ein offener und fokussierter Austausch nicht möglich.
Aktuell lese ich das Buch When the Body Says No von Gabor Maté. Ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Es ist kein Buch, das man mal eben so in einem Rutsch durchliest. Zumindest kann ich das nicht. Jedes einzelne Kapitel regt zum Nachdenken über das selbst Erlebte und die Wahrnehmung dessen ein. Ich habe nach der Lymphom-Diagnose nie nachhaltig darüber nachgedacht, was die Gründe für das Entstehen des Krebses waren. Mit naturwissenschaftlicher Prägung lag für mich zwar der Gedanke des „einen“ Auslösers in der Luft. Da ich aber an der Situation des Krebses, er war ja da, nichts ändern konnte, ein einfaches Tape-zurückspulen ging nicht, hieß es nach Vorne schauen. Die Chemo wir des schon richten. Beim Lesen des Buches wird einem bewusst, dass es noch andere Beteiligte auf der Bühne gibt, die Erkrankungen begünstigen können. Man ist immer versucht, den menschlichen Körper als eine Maschine wahrzunehmen, die man durch Einhaltung von Messwerten eindeutig steuern und beeinflussen kann. Das funktioniert nur in einem begrenzten Umfang.
Viel schwerer wiegt die Erkenntnis, welchen Einfluss die frühen Jahre in meinem Leben auf mich und meinem Körper heute haben. In der Vergangenheit habe ich solche Gedanken immer ins Land der Phantasie verwiesen, „ist doch Quatsch“. Nun, es ist weiterhin eine Reise auf der ich mich befinde und jeden Tag etwas Neues lerne. An manchen Tagen etwas mehr als an anderen. Und dafür bin ich dankbar.
Bleibt gesund.
Wir sehen uns.
PS:
Der Schwertwal wird oft als der Wächter des Meeres bezeichnet. Er steht für Familie, Kommunikation und Beständigkeit. Es wird gesagt, dass er Reisende schützt und ihnen hilft, ihren Weg nach Hause zu finden.




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