Ein Lymphom-Blog

Polyneuropathie

Es hat wahrlich lange gedauert. Einen Termin in einer neurologischen Praxis zu bekommen, ist alles andere als trivial. Mit Hilfe eines Hausarztvermittlungsfalles hatte ich dann innerhalb von zwei Wochen einen Termin. Zuerst erschien es mir unpassend, diese Karte zu spielen. Insbesondere deshalb, weil ich hierzu auf private Beziehungen zurückgegriffen habe. Dies erschien mir lange Zeit nicht der richtige Weg zu sein, einen Termin zeitnah „zu ergattern“. Aber die Unruhe in meinem Kopf, insbesondere nachdem ein guter Bekannter von mir eine ALS-Diagnose erhalten hatte, lies mir keine Ruhe. Ich kann wesentlich besser mit einer technisch beschriebenen Diagnose umgehen, als mit einer gefühlt wahrgenommenen Unsicherheit.

Die Chemotherapie hat im letzten Jahr nicht nur den Krebs bekämpft. Sie hat auch zusätzlich im Körper eine kleine Spur der Verwüstung hinterlassen. Und bei der jetzigen Diagnose möchte ich mir nicht ausmalen, wie die Medikamte wohl in früheren Zeit gewütet hätten, als noch nicht individuell dosiert wurde. Die Medikation der Chemotherapie hat ausgewählte Nerven in meinem Körper schneller altern lassen. Die Aussage, ich fühle mich alt, bekommt nun eine ganz andere Färbung.

Polyneuropathie ist die neue Diagnose für die permanete Taubheit im rechten und die temporär aufkommende Taubheit im linken Fuß. Wieder einmal den Wortschatz erweitert. Dass dies nach einer Chemotherapie auftritt, ist nicht ungewöhnlich. Nun geht die Reise beim Orthopäden weiter. Denn die eingeschränkte Empfindung in den Füßen hat unmittelbare Auswirkungen auf das Gehen und den Gang an sich. Dies wiederum führt zu einer unausgeglichenen Belastung der Gelenke, was wiederum automatisch andere Zwickerlein nach sich zieht. So ist es nun mal,

Now to something completely different – #ItsOkayToTalk

Als #ARTEUltra bin ich in der ARTE Mediathek über die Dokumentation Re: Hilfe für Schottlands Männer gestolpert. Diese Dokumentation möchte ich euch empfehlen. Die Dokumentation befasst sich mit dem Thema Suizid-Prävention. „Durchschnittlich alle zwei Stunden nimmt sich ein Mann in Schottland das Leben. Das ist die höchste Suizidrate innerhalb Großbritanniens.“ In der Dokumentation wird deutlich, dass das althergebrachte und sog. etablierte Männerbild einem offenen Umgang und das offene Ansprechen persönlicher Probleme, seelisch, körperlich oder wie auch immer, im Wege steht.

Mann muss nicht alles in sich hinfressen, um sich dann in einer ausweglosen emotionalen Sackgasse wiederzufinden. Der vom Andy’s Man Club ins Leben gerufene Hashtag #ItsOkayToTalk fasst so viel in nur vier Worten für Männer zusammen. Ja, es ist total okay über das, was dich bewegt und im Innersten beschäftigt, zu sprechen.

Ich bin neugierig auf eure Gedanken und wie ihr diese Dokumentation wahrnehmt.

Wir sehen uns.
Bleibt gesund, achtet auf euch.

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