Es gibt Momente, da zieht sich die Welt zusammen.
Die Geräusche werden zu einer einzigen, undurchdringlichen Masse, die Lichter verschwimmen, Stimmen verlieren ihre Konturen. Alles fließt ineinander, bis nichts mehr unterscheidbar ist. Und dann ist da nur noch der schwarze Raum.
Ich nenne ihn so, weil er sich genau so anfühlt. Es ist wie ein Raum ohne Luft, ohne Orientierung, ohne Richtung. Außen läuft alles weiter: Musik, Gespräche, Menschen, Lichter. Innen steht alles still.
Heute, auf dem South Coast Summit, war es wieder soweit. In der Exhibition Hall, gefüllt mit lauten Gesprächen, flackernde Screens, die Dauerbeschallung von diversen Ausstellerflächen, und ich mittendrin. Ich merkte, wie sich der Raum langsam öffnete, wie sich der Boden ein Stück unter mir entfernte. Der schwarze Raum kam näher.
Früher hätte ich das nicht erkannt. Ich wäre einfach verschwunden, irgendwo im Systemabsturz zwischen Reiz und Reaktion. Heute weiß ich: Ich brauche akustische Ruhe, um mich wieder zu sortieren. Eine Pause. Ein Reset. Ein Moment, in dem nichts von außen auf mich einprasselt.
In der Session “Embrace Neurodiversity to Supercharge Your Teams” ging es genau darum, die Vielfalt der Wahrnehmungen, Autismus, ADHS, Dyslexie und all die anderen Varianten, die unsere Gehirne formen. Es war, als würde jemand mit einer Taschenlampe in diesen schwarzen Raum leuchten.
Ein paar Dinge, die ich dort hörte, fühlten sich an wie Wiedererkennung. Nicht alles trifft, aber genug, um mich zu verstehen. Oder zumindest: ein Stück besser. Zumindest für mich.
Genau diese Themen, Neurodiversität, mentale Gesundheit, das bewusste Umgehen mit Reizüberflutung und Grenzen, sind auch der Grund, warum ich Konferenzen in UK wie den South Coast Summit oder den Scottish Summit so schätze. Dort wird über diese Dinge gesprochen, offen, direkt, ohne den üblichen technischen Filter. Es geht nicht nur um Tools oder Technologien, sondern um Menschen. Und das macht den Unterschied.
Was mich besonders beschäftigt hat:
53 % der Menschen, die in der IT arbeiten, haben neurodiverse Besonderheiten. Aber nur 3 % sprechen darüber.
Das ist nicht nur Statistik. Das ist ein Schweigen, das ich nur zu gut kenne. Bei mir und bei anderen Menschen.
Ich bin selbst noch nicht so weit, dass ich merke, wann sich die Tür zum schwarzen Raum öffnet. Aber ich merke, wenn es dunkel wird. Das ist Fortschritt. Und ich weiß, dass ich manchmal Hilfe von außen brauche, um wieder herauszufinden. Früher hat das Tage gedauert. Heute geht es schneller. Nicht automatisch, aber bewusster.
Mein Ziel ist es, Sensibilität für Neurodiversität zu fördern. Nicht als Etikett, nicht als „Besonderheit“, sondern als Realität. Denn am Ende sind wir alle neurodivers. Weil kein Gehirn so funktioniert wie das andere. Jeder Mensch ist ein eigenes Betriebssystem mit eigenem Rauschen, eigenem Rhythmus, eigenem Code.
Der schwarze Raum ist also nicht mein Feind.
Er ist ein Signal.
Und jedes Mal, wenn ich ihn erkenne, wird es ein bisschen heller.
Achtet gut auf euch.
Wir sehen uns.




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