Ein Lymphom-Blog

My Body Is A Cage

Heute hat mich Peter Gabriels Version von My Body Is a Cage überrascht. Nicht, weil ich den Song nicht kennen würde. Ich habe ihn oft gehört. Sowohl die Studio Version, als auch die Live-Version. Es ist ein kraftvoller Song, der das Gefühl beschreibt, im eigenen Körper gefangen zu sein. Innerlich frei, äußerlich begrenzt, immer in dieser Reibung zwischen dem, was möglich wäre, und dem, was der Körper nicht mitmacht. Aber heute hat mich im Song etwas getroffen, das sonst an mir vorbeigeglitten ist.

Diese Mischung aus Text und Peters Stimme, die sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern sich in einen hineinbohrt, als würde sie dort etwas wiederfinden, das schon längst da war. Ich saß da, hörte nur zu. Und plötzlich war da Gänsehaut und ein Gefühl, das mir leise zuflüsterte: „Das bin ich.“

Erst da wurde mir klar, wie präzise der Song beschreibt, was ich seit Monaten innerlich wahrnehme. Dieses Gefühl, dass der Körper eine Art Gehäuse ist, manchmal vertraut, manchmal widerspenstig. Manchmal einfach nur eine Hülle, die ihre eigenen Regeln macht. Ich habe das bisher nie so deutlich benennen können, aber der Song hat es für mich formuliert, ohne dass ich darum gebeten habe. Und das mit einer Kraft, die mir fast unheimlich war.

Vielleicht war ich deshalb bei der manuellen Therapie so still. Nachdem die Triggerpunkte in meinen Waden gelöst waren, lag ich auf der Liege und spürte diese Gedanken wie Flipperkugeln, die im Kopf herumschnellen. Jede in ihrer eigenen Bahn, jede auf der Suche nach dem nächsten Kontakt, dem nächsten Punktgewinn. Es ist ein Gedankenspiel, das entsteht, wenn ich versuche, Ordnung in etwas zu bringen, das sich nicht ordnen lässt. Oder vielleicht entsteht es genau dann, wenn ich merke, dass ich etwas zu lange ignoriert habe?

Der Therapeut hatte mich gefragt, wie es mir wirklich geht. Nicht dieses „Alles gut“, das wir alle routiniert aussprechen, sondern die Frage dahinter. Und plötzlich war ich wieder in diesem Spannungsfeld, das mir eigentlich vertraut ist. Ich stelle meine körperlichen Bedürfnisse zurück. Erst kommt die Arbeit. Dann die Community-Arbeit. Das sind die Bereiche, die mir leichtfallen, mich tragen und mir das Gefühl geben, funktional zu sein. Und das selbst, wenn anderes in mir nicht mehr so funktioniert wie früher. Wenn ich mich auf meine Herzensthemen konzentriere, verliere ich die Zeit. Und mit der Zeit verliere ich die Übungen, die ich eigentlich für meine Neuropathie machen müsste, sollte, könnte.

Es ist nicht so, dass ich mich mit der Neuropathie abgefunden hätte. Abfinden klingt nach Resignation, nach einem inneren Rückzug, den ich nicht empfinde. Es ist eher eine ruhige Akzeptanz. Ein Wissen darum, dass dieser Körper ein Funktionsmodul hat, das nicht mehr mitarbeiten möchte. Kein Drama, keine Metapher, einfach ein Fakt. Und gleichzeitig ein offener Raum, in dem ich noch nicht weiß, wie ich mich darin bewegen soll.

Vielleicht finde ich eine Lösung, vielleicht mehrere, vielleicht nur einen Weg, mit diesem Körper neu zu verhandeln, was möglich ist. Vielleicht geht es auch gar nicht um Lösungen, sondern nur darum, die Tür zu diesem Käfig wenigstens manchmal anzulehnen.

Heute hat mich ein Song daran erinnert, dass ich mich selbst hören muss, bevor ich mich verliere. Vielleicht war es genau das, was ich gebraucht habe.

Achtet auf euch. Bleibt gesund.
Wir sehen uns.

Ein Mensch sitzt mit nacktem Rücken in einem abgedunkelten Raum, den Kopf nach vorne geneigt. Durch ein Fenster fällt gestreiftes Licht auf seinen Rücken und wirft schattenartige Linien, die an Gitterstäbe erinnern. Die Stimmung wirkt still, nachdenklich und introspektiv. KI-generiert

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