„Neues Jahr, neues Glück“, so sagt man. Man schaut auf ein vergangenes Jahr zurück und hofft auf eine bessere Zeit. Oder zumindest auf eine andere Zeit.
Das neue Jahr ist für mich mit vielen Emotionen gestartet.
Ich habe an einer zweitägigen IT-Konferenz in Manchester teilgenommen und mir anschließend einen Tag „Probe-Auszeit“ gegönnt. Aber dazu gleich mehr. Die beiden Tagen waren sowohl körperlich, aber auch emotional herausfordernd. Zum einen waren es zwei volle Tage mit technischen und organisatorischen Themen rund um das Trainerdasein in der Microsoft-Welt, die meinen Kopf zum Rauchen gebracht haben. Der Austausch mit anderen TrainerInnen aus Europa und anderen Teilen der Welt hat mir wieder neue Impulse gegeben. Ebenso ist eine solche Konferenz immer die Gelegenheit, Freunde in Person wiederzusehen, die man lange nicht gesehen hat, und um neue Freundschaften zu knüpfen.
Emotional tief berührend waren jedoch gerade die Begegnungen mit Menschen aus der IT-Community, die meine Lymphom-Reise seit Beginn begleiten und immer wieder ein Checkin mit mir gemacht haben. Es sind gerade diese Menschen, die so viele und starke emotional positive Spuren in mir hinterlassen. Aus diesen Gesprächen schöpfe ich viel Energie. Auch jetzt beim Schreiben stockt mir für einen Moment der Atem. Gerade beim Schreiben und beim Rekapitulieren sind die Gefühle noch einmal sehr präsent.
In der letzten Woche hatte ich meinen ersten Termin zur Nachkontrolle nach Ende der Chemotherapie. Und was soll ich sagen? Die emotionale Bedeutung dieses Termins hat mich während des Gesprächs unvorbereitet voll erwischt. Bevor ich aber davon erzähle, möchte ich euch sagen, dass alles in Ordnung ist und somit in sechs Monaten der nächste Kontrolltermin ansteht.
Mir war nicht bewusst, was mich bei der Nachkontrolle erwartet. Und wie es sich gezeigt hat, waren es weniger das Gespräch oder die Untersuchung selbst, die mich über die emotionale Klippe gestoßen haben. Es war viel mehr das Drumherum. Wieder die Praxis zu betreten, die bekannte Geräuschkulisse, das „Hallo“ des Therapieteams, das Team am Empfang und die Menschen im Wartezimmer. Ich sehe mir fremde Menschen und weiß doch sofort, dass sie gerade eine emotionale Stresssituation durchlaufen. Ich sehe Menschen, die gerade erst die Diagnose Krebs erhalten haben, oder vielleicht gleich bekommen werden. Die Kraft dieses unterbewussten Mitempfinden ist einfach nur krass. In dem Moment des Wartens selbst war mir das noch gar nicht so präsent. Es brach sich erst im Gespräch mit meinem Arzt Bahn. Mir stockte der Atem und ich musste unter Tränen innehalten. Und wieder einmal bin ich so unsagbar dankbar, dass mir mein Arzt Zeit und Raum gab und nicht auf die Uhr geschaut hat. Ich bin froh, dass wir beide eine so wunderbar ehrliche Humorebene haben, um den Moment zu greifen. Danke dafür.
Für den Rest des Monats werde ich eine kleine Auszeit nehmen, um das das Erlebte und Gefühlte des letzten Jahres zu verarbeiten. HIerzu reise ich in eine für mich spirituell bedeutende Ecke der Welt. Mal sehen, was sie diesmal für mich bereithält.
Passt auf euch auf und bleibt gesund.
Wir lesen uns.




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