Ein Lymphom-Blog

Ein Jahr danach

22. Februar 2024.

Gestern war der erste Jahrestag der Diagnose Lymphknotenkrebs. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Der Ablauf des gesamten Tages, mit all seinen Details, hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Und ich kann bis heute nicht fassen, welches Glück ich unter dem Strich hatte. Für persönliche Gefühle war an dem Tag kein Raum in mir. Die haben sich, wie ich sicher schon geschrieben habe, nach und nach offenbart.

Rückblickend waren die ersten Tage und Wochen nach der Diagnose und der ersten Chemotherapie in der Folgewoche ein Wahnsinn. Manche haben mich vollends für verrückt erklärt. Und ich kann ihnen diese Einschätzung, nun rückblickend, nicht absprechen. Für mich, in der Situation im Februar und März 2024, machte es vollends Sinn. Aber selbst das Therapie-Team meiner Hämatologie- und Onkologie-Praxis hat mich bei der Abstimmung der Termine zur Chemotherapie mit großen Augen angeschaut. Für mich war es in dem Moment so wahnsinnig wichtig, meine Pläne aufrechtzuerhalten. Das gab mir Halt.

Meine erste Chemotherapie erfolgte noch zweigeteilt an einem Dienstag und Mittwoch, nachdem ich montags noch schnell einen Kardiologie-Termin wahrgenommen hatte. Dies war notwendig, um zu prüfen, ob das Herz und die Herzmuskeln keine Vorschäden hatten, die einer Chemotherapie vielleicht im Weg gestanden hätten. Aber für das Alter war alles in Ordnung.

Am Tag des zweiten Teils der Chemotherapie saß ich nach der Therapie im Zug von Berlin nach Würzburg. Denn am Donnerstag fand der Exchange Summit 2024 statt, den ich inhaltlich alleine gestemmt habe. Für mich stand im Vordergrund, Erwartungen nicht zu enttäuschen und einen guten Konferenztag zu liefern. Es bestand sicherlich das Risiko, dass Nebenwirkungen der Chemotherapie sich ihren Weg suchen würden. Aber ich war zuversichtlich, dass alles gut ausgehen würde. Und so war es auch.

Nach der Rückkehr am Donnerstagabend, stand am Freitag bereits die nächste Reise auf dem Programm. Es galt ein Konzert in London zu besuchen, auf das ich bereits wahnsinnig gefreut hatte. Live-Musik ist und bleibt für mich ein wichtiger Teil meiner mentalen Gesundheit. Das Konzert in den Wind zu schlagen, stand für mich einfach nicht zur Debatte.

Danach kam eine kurze Woche der vermeintlichen Ruhe. Es war essentiell wichtig für mich, nicht in Lethargie zu verfallen und weiterzuarbeiten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits mit den Vorbereitungen für diesen Blog begonnen, nachdem ich für mich die Entscheidung getroffen hatte, meine Lymphom-Reise öffentlich zu machen. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Ich bin euch für eure Reaktionen und all die offenen Gespräche so unendlich dankbar.

Den Reise-Wahnsinn zum Abschluss brachte dann die Reise zum MVP Summit nach Redmond. Neun Stunden Zeitverschiebung stellen an den Körper ganz besondere Herausforderungen. Dies hat sich im Laufe des letzten Jahres deutlich gezeigt. Inzwischen brauche ich mehr Zeit, um anzukommen, als es früher notwendig war. Auf dem Summit selbst fühlte ich mich gut aufgehoben. Zwei meiner MVP-Kollegen war eingeweiht und fungierten als „Checking-Point“. Wir standen in regelmäßigem Kontakt, was mir ein zusätzlichen emotionales Sicherheitsnetz bot. Denn das Letzte, was passieren durfte, wäre der Besuch in einem US-Krankhaus. In der Woche nach der Rückkehr vom MVP Summit stand dann auch schon die zweite Chemotherapie im Kalender.

Ja, es waren spannende Wochen nach der Krebs-Diagnose. Wenn du mich jetzt fragst, wie ich diesen Wahnsinn rückblickend bewerte, dann kann ich nur sagen, dass ich es gebraucht habe. Sicherlich habe ich meine Körper und auch meinen Geist in der Zeit sehr gefordert. Aber was ich in dieser Zeit an Positivem zurückbekommen habe, wiegt für mich alles wieder auf. In Summe überwiegt das Positive.

Ja, es ist bereits ein Jahr. Und die Reise ist immer noch nicht vorbei. Es hat sich Einiges verändert.

Passt auf euch auf. Bleibt gesund.
Wir sehen uns.

Eine Antwort zu „Ein Jahr danach”.

  1. Hey Buddy,

    rückblickend kann man(n) natürlich immer noch an kleinen Stellschrauben drehen, aber im Moment (und da leben wir ja nunmal) muss man Entscheidungen treffen. Und die hast Du getroffen. Und ich sag jetzt mal: RESPEKT! Offen und öffentlich damit umzugehen war sicher nicht leicht, aber hast Du grandios bewältigt. Und richtige und falsche Entscheidungen gibt’s einfach nicht – es gilt nur vermeintlich falsche Entscheidungen in eine positivere Richtung zu korrigieren. Und das machst Du super. Bin stolz auf Dich!💪 Weiter so …. auch in kleinen Schritten kann man grosse Strecken bewältigen! Bin jederzeit für Dich da …..

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