Heute geht’s hier mal nicht um Arztbesuche, Blutwerte oder das ewige Auf und Ab zwischen Kontrolle und Kontrolle. Heute geht es um Musik. Und trotzdem, oder gerade deswegen, geht es um mich. Denn wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass Musik kein Nebenthema ist. Sie ist ein Teil meines Systems. Und Depeche Mode sind darin so fest verdrahtet, dass es ohne sie vermutlich anders klingen würde in mir.
Ich war heute im Kino. Depeche Mode: M – der neue Konzertfilm. Weltweiter Kinostart, ein Abend, der vielleicht für viele einfach Musik ist. Für mich war es mehr.
Depeche Mode macht keine gewöhnlichen Konzertfilme. Das war schon immer so. Sie sind mehr als nur eine Band. Ihre Filme sind mehr als nur Konzertmitschnitte. Die Filme fangen immer Stimmungen ein, sie erzählen Geschichten, zwischen Bühne, Publikum und dem, was dazwischen passiert. Dieses „Dazwischen“ ist es, was mich jedes Mal berührt.
Schon nach wenigen Minuten wurde mir klar, wie passend es ist, dass der Mitschnitt der Memento Mori-Tour ausgerechnet in Mexiko aufgenommen wurde, in einem Land, das den Día de los Muertos feiert. In einer Kultur, in der der Tod nicht verdrängt, sondern integriert wird. Wo Trauer bunt sein darf, laut, lebendig. Irgendwie war das genau der richtige Ort für dieses Kapitel von Depeche Mode. Und vielleicht auch für mich, um dort im Dunkel eines Kinos etwas von dieser Lebendigkeit zu spüren.
Ich wusste, dass mich dieser Film nicht kaltlassen würde. Was ich nicht wusste, war, wie sehr er mich treffen würde. Schon nach den ersten Takten bekam ich Gänsehaut. Diese Songs. Vertraut wie alte Freunde. Und doch schaffen sie es immer wieder, mich zu überraschen. Jede Melodie, jeder Beat ruft Erinnerungen an die Konzertbesuche im Jahr 2023 wach. Nicht einfach nostalgisch, sondern körperlich spürbar.
Seit 1983 begleitet mich diese Band. Durch alle Lebensphasen, durch Höhen und Tiefen. Ihre Musik ist für mich kein Soundtrack. Sie ist Teil meines Nervensystems. Wenn Dave Gahan die Bühne betritt, ist das kein Konzertmoment mehr, sondern eine Rückkehr. Das liest sich jetzt sicherlich etwas arg pathetisch. Aber es ist nun mal so.
Heute im Kino gab es mehrere dieser Momente. Und dann gab es diesen einen, in dem ich gemerkt habe, dass mir Tränen über das Gesicht laufen. Ich hab Dave dafür kurz verflucht, aber es angenommen. Er kann das. Er darf das.
Ich habe den Saal mit einem seltsam klaren Glücksgefühl verlassen. Vielleicht weil ich wieder gespürt habe, was diese Musik in mir bewirkt. Depeche Mode haben mich durch viele Phasen meines Lebens getragen. Auch durch die schwersten. Während der Chemotherapie war „Never Let Me Down Again“ mehr als nur ein Song. Es war ein Versprechen. Und sie haben es gehalten.
Musik kann Dinge, die Worte nicht schaffen. Sie holt dich ab, wenn du nicht mehr weißt, wo du bist. Sie verbindet dich mit Zeiten, Menschen, Gefühlen. Und manchmal mit dir selbst. Für mich ist das kein Zufall, sondern ein Teil meines Lebens.
Depeche Mode sind da. Immer. Und wenn sie singen „I’m taking a ride with my best friend“, dann weiß ich genau, wer das ist.



![Schwarz-weiß-Foto mehrerer Depeche-Mode-Schallplatten und CD-Cover, die überlappend auf einer Fläche liegen. Zu sehen sind unter anderem Cover mit den Titeln „Master and Servant“, „Where’s the Revolution [Remixes]“, „Behind the Wheel“, „A Question of Time“ sowie das Album „Playing the Angel“ mit den charakteristischen weißen Engelsflügeln. Die Gestaltung zeigt typische grafische Elemente wie Ketten, abstrakte Formen und kontrastreiche Typografie.](https://indolent.blog/wp-content/uploads/2024/04/depechemode-sw.png?w=800)
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