Ein Lymphom verändert einen. Das ist keine Entscheidung, kein Programm, kein Egotrip. Es passiert einfach. Wer danach derselbe ist wie davor, hat vermutlich nicht wirklich hingeschaut. Die letzten zwei Jahre haben mich verändert. Sind es wirklich schon zwei Jahre?
Seit der Chemotherapie 2024 lerne ich jemanden kennen. Mich selbst. Ich setze andere Prioritäten, sehe Dinge anders und stelle mir Fragen, die ich zuvor nicht gestellt hätte. Dieser Prozess läuft. Und dann kam der Januar.
Das Jahr 2026 hat sich dazu entschieden, ein weiteres Jahr der Veränderungen in meinem Leben zu werden. Dieses Mal jedoch nicht im gesundheitlichen, sondern im persönlichen Bereich. Eine Trennung findet statt. Nicht wirklich überraschend.
Es gibt Momente in den letzten Wochen, die mich einfach haben anhalten lassen. Die Momente kündigen sich nicht an, sie fragen nicht, ob es gerade passt. Sie kommen und ich stehe still. Das Erste, was kommt, ist Fassungslosigkeit. Nicht Wut, nicht Schmerz, sondern dieses kurze, stille Unverständnis vor der eigentlichen Welle. Und dann kommt eine Trauer. Langsam, aber sie kommt.
Ich habe sie lange nicht an mich herangelassen. Es gab Wichtigeres, Dringenderes, Lauteres. Das Trauergefühl stellt sich hinten an, lauert hinter einem schweren Vorhang, wenn das Leben andere Prioritäten setzt. Aber ich merke, dass der Lärm leiser wird. Dass da Platz entsteht. Und in diesem Platz sitzt sie und wartet.
Was mich trägt, sind Gespräche. Gespräche mit besonderen Menschen, die für mich da sind. Mit Menschen, die mir nah sind. Mit Menschen, die mir sehr viel bedeuten. Mit Menschen, deren Worte respektvoll sind.
Und Freunde, die ich seit Kindheitstagen kenne, die meinen Namen rufen können, ohne nachdenken zu müssen. Dieser Zuspruch tut gut, das stimmt.
Aber was mich wirklich hält, ist etwas anderes: dass diese Menschen mich nicht einfach bestätigen. Sie stellen Fragen. Unbequeme. Sie zweifeln an meiner Sichtweise, nicht weil sie gegen mich sind, sondern weil sie für mich sind. Auf eine ehrliche Art. Jedes Gespräch endet damit, dass ich meine eigene Meinung noch einmal sortiere. Das ist anstrengend. Und genau das brauche ich.
Im Dezember 2025 habe ich „When The Body Says No“ zu Ende gelesen. Gabor Maté beschreibt in seinem Buch, wie sich Ungesagtes und Unterdrücktes in den Körper einschreibt. Ich erkenne diese Muster, ohne sie benennen zu wollen. Manchmal reicht das Erkennen. Was mich seitdem beschäftigt: War es Zufall, dass ich dieses Buch genau in diesem Moment gelesen habe? Oder war es Absicht, irgendeine Art innerer Vorbereitung, von der ich selbst nichts wusste? Ich habe keine Antwort darauf. Aber die Frage lässt mich nicht los.
Ich bin gespannt, wohin diese Reise führt. Das klingt nach einem Klischee, aber ich meine es ernst. Dieses Jahr ist ein Jahr der Veränderungen.
Ich habe keinen festen Plan, keine Landkarte, kein Ziel, das ich mir schon ausgemalt hätte. Aber es gibt eine Richtung. Und das fühlt sich richtig gut an.
Das ist, für jetzt, genug.
Passt gut auf euch auf. Bleibt gesund.
Wir sehen uns.




Hinterlasse einen Kommentar